« Verlauf »
     • Start
     • 2009 / 2010
     • 2011 / 2012
     • 2013 / 2014
     • 2015 / 2018


« Dokumentation »
     • Projektbeschreibung
     • Spurensuche
     • Die Deportierten
     • Familie Mayer
     • Familie Bierig
     • Die Kinder
     • Briefe aus Leimen
     • Briefe 1940 Gurs
     • Briefe 1941 Gurs
     • Briefe 1941 Noé
     • Hauptbuch Noé
     • Briefe 1942 Noé
     • Briefe 1942 T.River
     • Briefe 1944/45 Isère
     • Briefe nach 1945


« Analysen »
     • Quellenübersicht
     • Stammbaum
     • Weitere Personen
     • Leben im Lager
     • Auswanderer USA
     • Auswanderer Engl.
     • Leimen zur NS-Zeit
     • Leimen nach 1945


« Berichte »
     • Juni 2010
     • Juni 2010 (RNZ)
     • Sept. 2010
     • Okt. 2010
     • Mai 2011
     • Sept. 2011
     • Jan. 2012
     • Nov. 2012
     • Jan. 2013
     • März 2013
     • März 2013 (RNZ)
     • Nov. 2013 (RNZ)
     • Okt. 2014
     • Okt. 2015 (RNZ)
     • Nov. 2016


« Bildergalerie »
     • Erstellung 1.Stein
     • Steineinweihung
     • Erstellung 2.Stein
     • Besuch aus NY
     • Fertigstellung 2.Stein
     • Neckarzimmern
     • Steineinweihung
     • 75.Jahrestag
     • 76.Jahrestag


Den Opfern jüdischen Glaubens zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung
Mahnmal-Projekt-Leimen
Briefe aus Toms River von 1942 an Karolina Mayer in Noé

Am 3. und 17. Oktober 1942 schrieben Gustav Mayer, Friedel Ehrmann und deren Schwägerin Mina Ehrmann an Karolina Mayer im Lager Noé einen mehrseitigen Brief, doch dieser Brief erreichte sie nicht mehr, er kam am 24. November 1942 wieder zurück nach Toms River, New Jersey (USA). Zu diesem Zeitpunkt war Karolina Mayer wahrscheinlich noch im Lager Noé, aber die Postzustellung zwischen dem inzwischen durch die Deutschen besetzten Südfrankreich und den USA bzw. England wurde eingestellt. Dies wird auch durch folgende Notiz deutlich, die als Erklärung dem nicht zugestellten Brief beilag:



Die Briefseiten vom 3. und 17. Oktober 1942 belegen, dass die Kinder von Karolina Mayer alles versucht haben, um ihre Mutter doch noch nach Amerika holen zu können, aber der briefliche Kontakt wurde 1942 immer schwieriger, was man daran sehen kann, dass Karolinas Brief
aus Noé vom Januar und vom Juli 1942 zeitgleich erst Ende September 1942 in Toms River ankamen. Gustav Mayer spricht in seinen Zeilen auch die Zensur an, die möglicherweise der Grund dafür war, dass Karolinas Antwort aus Noé nicht angekommen ist.




Brief von Gustav Mayer an seine Mutter Karolina Mayer vom 03.Oktober 1942

  

Liebe Mutter!
Deinen lang erwarteten Brief sowie Postkarte erhielten wir vor einigen Tagen zusammen
. Ich hoffe, daß Dich diese Zeilen bei Gesundheit antreffen. Von dem Ableben des lb. Vaters hörten wir zuerst von lb. Toni die es von lb. Oma u. Sell erfuhr. Wir werden in den nächsten Tagen, nochmals von Neuem Papiere für dich vorbereiten u. einreichen, damit Du doch hoffentlich noch zu uns kommen wirst. Leider sind durch diese Zeiten u. Bestimmungen die Angelegenheit nicht so sehr beschleunigt auf den hiesigen Stellen und so darfst Du versichert sein, daß es soweit an uns liegt alles unternommen wird die Einwanderungserlaubnis für Dich zu erreichen. Stets habe ich gehofft Dich u. auch den lb. Vater hier bei uns zu haben und es kam doch anders. Schrecklich entsetzt waren wir alle als wir von dem plötzlichen Hinscheiden der lb. Trudel in England hörten, lb. Kurt hat uns über alles davon geschrieben, ich weiss zwar nicht ob du auch informiert bist, doch den Weg den lb. Trudel ging wäre meiner Ansicht nach nicht notwendig gewesen. Vor einigen Wochen wollte Dir durch die "Quäcker" eine Überweisung machen doch leider erhielt ich mein Geld wieder zurück, da anscheinend momentan Bestimmungen von hier aus Überweisungen nicht zulassen. Sobald es wieder ermöglicht ist werde regelmässig Beträge an Dich senden lassen. Mit Päckchen ist es schon seit Monaten aus.
Als wir von lb. Vaters Tod erfuhren hatte ein Kabel mit bezahlter Rückantwort gesandt, hast Du es eigentlich bekommen? Die Antwort kam jedenfalls nicht an, möglich daß es irgendwo bei der Zensur hängen blieb. Gestern war mein 32. Geburtstag von dem ich nicht viel Federlesen machte. Lb. Mina machte mir den allgemein üblichen Marmorkuchen der ausgezeichnet schmeckte, den Rest werde ich nachher auf deine Gesundheit aufessen. Beschenkt wurde ich mit praktischen Dingen wie fast nie zuvor. Von l. Mina einen wollenen Pyjama, v. Friedel einen wollenen Pullover und Arbeitshose, von den Jungens schöne Gummischuhe für Schnee- u. Regenwetter, Ferdls einen jungen Hahn v. selbigem. Wein, wunderschöne Westen von Grumbareis u. Richh. Am Abend waren wir bei Richh. etwas gemütl., da (?) auch mit mir Geburtstag hat ebenso ein Herr Rothsch. aus Stttgt. Lb. Kurt hat uns eine grosse Überraschung gemacht, als er mir kurz vor seiner Hochzeit zum ersten Mal über seine Absicht darüber schrieb, lb. Friedel meinte lb. Kurt wäre noch zu viel zu jung, doch kamen überein das sein Vorhaben vielleicht doch gerechtfertigt werden kann, da er ja alleine u. sich selbst überlassen in England ist u. Ich glaube u. traue ihm zu, daß er selbst weiss was für ihn das Rechte ist. Über deine erste Schwiegertochter wissen wir ausser ihren Namen leider nichts. Ausser einer Karte von der Hochzeits(?) hörten wir nichts mehr. Ich bleibe vorläufig noch Junggeselle, vielleicht muss ich auch noch zum Militär. Lb. Bella hat vor etwa 3 Wochen ein kleines Mädel bekommmen, sie wohnt seit Monaten wieder in N.Y., ihre Schwester Anna erwartet auch ein Baby. Onkel Moritz ist sehr stolz auf sein neues Enkelchen.
Der Brief ist leider einige Tage liegen geblieben, da lb. Friedel noch nicht ihr Teil geschrieben hatte. Von lb. Kurt u. Hannelore hatten gerade einen grossen Brief, sie sind glücklich zusammen. Sobald es wieder Möglichkeiten gibt Überweiseungen zu machen, werde ich solche an dich machen. Bleibe gesund u. lasse bald wieder hören evtl. kurzen Bericht durch die Quäcker. Recht herzliche Grüsse u. Küsse. Dein Gustav“
Norbert Traub ist mit der amerik. Luftwaffe nach England gekommen. (?) Weib hat die Farm neben der seinen nun auch gekauft und zwar für seine selbigen Leute (Friedmann). Es ist die Farm auf der Sigges früher wohnte. War diese Woche dort u. hab helfen seine Wasserpumpe reparieren.


Brief von Friedel Ehrmann an ihre Mutter Karolina Mayer vom 17.Oktober 1942



„Meine liebe Mutter.
Vor allem hoffe ich, daß dich diese Zeilen in vollster Gesundheit antreffen. Meine Gedanken sind immer bei Dir und wie herrlich wäre es wenn Du bei uns sein könntest. Vieleicht klappt es doch bald und werde ich Diese Woche noch die Papiere ausfüllen und geht es vieleicht rasch, daß Du kommen kannst. Am 27. Oktober bin ich vorgeladen zur ersten Prüfung zum Citizenshippaper [Staatsbürgerschafturkunde], hoffendlich geht es es gut durch. Was hat sich lb. Oskar immer auf diesen Tag gefreut. Erst vor 14 Tagen kam Dein lb. Brief vom 10. Januar an in dem Du über lb. Vater schreibst gleichzeitig mit lieber Karte vom Juli. Wir haben Dir frühzeitig durch die Quäker ein Telegramm mit Rückantwort zu den Feiertagen geschickt und Geld und ist es 14 Tage nach (?) wieder beides zurück gekommen. Schrecklich wie man allem machtlos gegenübersteht. Hoffendlich bekommen wir bald wieder gute Nachricht von Dir aus jüngerer Zeit. Uns geht es bis auf lb. Mina G.s.D. allen gut. Lb. Mina hat seit ungefähr 3 Wochen eine unangenehme Erkältung und hat eine Gesichtslähmung. G.s.D. ist es jetzt wieder besser bekam elektrische Bestrahlungen ...(?)... und fühlt sich oft gar nicht gut u. ..(?).. Unser (?) war sehr anstrengend und hatten wir wieder ziemlich Gäste. Einmal waren 3 Tage lang 13 Leute bei uns so daß lb. Mina für 20 Leute zu kochen hatte. Es hat aber alles gut geklappt. Unser Charlie ist so ein goldiges liebes Kind und ..(?).. hoffendlich lernst du es bald kennen. Was hätte lb. Oskar und was hätte lb. Vater eine Freude zu dem Kind. Ein Bild von ihm haben wir schon so lange nicht mehr machen lassen. Sobald wir eines haben schicken wir es Dir. Hans und Rolf sind prächtige Jungen. Hans hat die Farm tadellos in Schuss und ist die Farmerei dieses Jahr an u. für sich rentabel und wünschten wir uns daß wir Dir Eier, Hühner u. Milch schicken könnten. Rolf hat einen guten Job und verdient gut. Gust ist heute Abend bei Sigges ..(?).. reparieren. Wie geht es allen lb. Nußlochern und Bruchsaler. Ich schreibe bestimmt bald wieder und küsse Dich heute innigst Deine Friedel.



Brief von Mina Ehrmann an Karolina Mayer vom 17.Oktober 1942



Meine lb. Karoline! Ich hoffe Du bist gesund u. es geht Dir soweit gut; bei uns ist G.s.D. außer mir alles wohl u. munter. Seid 4 Wochen habe ich eine Lähmung der linken Gesichtshälfte es ist was schreckliches, die ganze Seite ist krumm u. schief. Jede Woche muß ich 2 mal zum Arzt, werde elektriesiert, es ist schon etwas besser, aber noch lange nicht so, daß ich meine alte "Schönheit" habe. - Unser lb. Charlie leistet wenn ich abends liege Gesellschaft u. ist dann der Herr Doktor, er ist goldig der kl. Kerl u. macht uns viel Freude, er erzählt die größten Geschichten aus Nussloch, Lome u. Offenburg u. wer es wissen will dem sagt er, daß die Mami u. der Onkel Gustav von Lome sind. Bei Ferdls ist z.Z. auch alles wohlauf. Die Kinder sind groß u. lernen gut. Lb. Hans u. Rolf sind beide schon große Herren u. sehr brav u. fleißig. Hans ist stehts auf die Farm u. Rolf verdient sehr schön. Was hätte lb. Oskar von dem allem seine Freude. So gerne hätt ich mal an Else u. Guta geschrieben, aber ich weiß keine Adresse. Von Toni hören wir auch selten u. so sind wir über lb. Karoline u. Selma auch nicht im Bilde. Weißt Du ob Rositta noch in Gurs ist? Warum muß das alles so sein? Morgen muß lb. Friedel zur Prüfung um Bürger zu werden u. hoffen wir alle, daß es dann schneller mit Deinem kommen geht. Habe Dich inzwischen wohl u. munter u. sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von Deiner Mina. Viele Grüße u. viele Küsse von Deinem Charlie. [Auf der linken Briefseite stehend:]herzliche Grüße alle: Jule Ferdinand u. Familie

Impressum                               Kontakt                               Danksagung