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Briefe aus dem Lager Noé von 1941


Brief aus dem Lager Noé vom 30.März 1941


 

Der Inhalt dieses Briefes wird untenstehend in Auszügen mit den wichtigsten Passagen wiedergegeben. Die Auslassungen sind mit "..." gekennzeichnet.

Karolina Mayer schreibt in einem Brief an ihre Kinder in Amerika aus dem Lager Noé am 30.März 1941:

„Eure beiden Briefe vom 6.2. erreichten uns beide letzte Woche und gleichzeitig kam auch noch ein direktes Briefchen von liebem Kurt an und freuten uns riesig von euch allen wieder Gutes zu hören. … es wird wohl noch nicht so rasch gehen bis wir zu euch kommen, denn wie ich bis jetzt höre, liegen viele Bürgschaften in Marsey und (es) geht alles sehr langsam, trotzdem die Passage gesichert ist, ohne diese man überhaupt kein Visum bekommt. … So Gott will, halten wir durch. Lieber Vater war die letzten Tage nicht ganz auf der Höhe, ist aber wieder besser, er ist immer so müde und abgeschlagen. Die Franzosen können uns leider zur Zeit nicht mehr bieten, da alles auf Karten geht. … Wünschen uns wieder wie anfänglich mehr Hülsenfrüchte und Nudeln. In der Kantine gibt es Mandel, Olive und Heringe, Kopfsalat und kleines Früchtebrot und sonstige Gebrauchsgegenstände und kostet viel Geld. Ich kann mich in alles viel besser einfügen wie lieber Vater. … Alle Nachmittag treffen Vater und ich uns in der Zusammenkunftshalle und vespern zusammen unser bescheidenes Mal. … Wenn dieser Brief bei euch eintrifft, wollt ihr uns gleich wieder Geld auf diesem Wege zusenden, da von euren Paketen noch nichts eintraf. … Lieber Vater ist nicht immer in guter Stimmung, ich kann dies nicht allen erzählen, zur Zeit ist er wieder besser gestimmt, da viele Post von euch kam. … Ich selbst bin immer beschäftigt, arbeite auch öfters in der Küche respektive Gemüse putzen. Gestern Abend hatten eine Stunde gemütlichen Abend. 2 Damen, einstige Schauspielerinnen gaben einige wunderschöne Rezitationen und Gedichte dar und soll es alle paar Wochen wiederholt werden, sonst verläuft ein Tag wie der andere. Um 7 Uhr aufstehen und um 9 Uhr muss alles im Bett sein, da meistens ein männlicher Engel nach uns sieht, ob wir alle brav zur Ruhe sind. … Um das eine Lavabo wird ein geschlossener Waschraum gemacht, war sehr erfreulich. … In Gedanken sind wir immer bei euch. Grüßt mir noch alle Verwandten und Bekannten dorten und seid ihr … noch herzlich gegrüßt und geküsst von eurer Mutter.“

Hugo Mayer schreibt in demselben Brief unterhalb der Zeilen seiner Frau Karolina aus dem Lager Noé am 30.März 1941:

„Liebe Kinder, Verwandte und Bekannte! Bei der Überlesung ihres Briefes werdet ihr ersehen, dass eure Mutter sämtliche Neuigkeiten … geschrieben hat und (ich) noch kaum was zu sagen habe…. meine größte Freude ist … nur die, von euch zu erfahren, dass es euch allen gut geht, gesund und munter seid und gut zusammen auskommt und mein einziger Wunsch ist nur euch alle liebe Kinder gesund zu treffen, zu sehen und zu sprechen … wenn es Gott will so wird es noch in Erfüllung kommen. Auch freut mich außerordentlich zu hören, dass es lieben Kurt gut geht und habe ordentlich Sehnsucht nach ihm!! … Bei mir und lieben Mutter geht es soweit ordentlich, obwohl ich schon sehr viel mitgemacht habe. Was ihr euch wohl denken könnt, aber es geht wieder etwas besser. Ihr Lieben, muss Schluss machen und gebt uns bald wieder Nachricht. Recht herzliche Grüße an Alle.“


Brief aus dem Lager Noé vom 20./21.April 1941





Karolina und Hugo Mayer schreiben aus dem Lager Noé am 20./21.April 1941 an ihren Sohn Kurt in England:

Mein Lieber Kurt!
Hoffe Dich jetzt im Besitze unseres Briefes welchen gleich nach Erhalt Deiner ersten Zeilen nach Deiner angegebenen Adresse sandten. Wir freuten uns sehr nun wieder von Manchester von Dir zu hören und gelangten Vaters u. mein Brief anfangs dieser Woche in unseren Besitz. Wie ich aus Deinen Zeilen entnehme, geht es Dir gesundheitlich gut, was die Hautsache ist u. an Unterhaltung u. Arbeit fehlt es Dir ja nicht.Von lb. Trudl ist es ja sehr schön, daß sie Dich so viel einladet. Es tat mir sehr leid als ich von Oma u. getrennt wurde da wir uns so zusammen eingelebt hatten. Hier bin nun auch im Kreise vieler lieber Menschen und haben auch eine nette Tischgesellschaft die mit mir als Teilerin gut zufrieden sind, da ich bestrebt bin allen gerecht zu werden wenn auch vorrübergehend mal eine meckert. An Arbeit fehlt mirs auch nicht habe immer zu nähen, stopfen, waschen extra doch könnte noch gut auch Deine Sachen besorgen, u. wäre es bestimmt gut wenn ich solche mal nachsehen könnte. Sind Dir Deine Sachen alle erhalten geblieben? Meine und Vaters Kleider haben hier u. werden wohl noch einige Zeit hierbleiben müssen. Ich selbst ertrage die hiesige Lebensweise gut u.habe noch nie besser ausgesehen wenn auch sehr mager bin, doch habe letztes Jahr alles abgenommen wo ich furchtbare Magengeschichten hatte. Auch hatte in letzter Zeit noch dort viele Aufregungen umsomehr da Vater sich mit Otto, Waldemar u. Lenz nicht gut stand, und sind seine Nerven nicht besser geworden, er ist so ungeduldig u. nimmt alles gleich so bös auf. In letzter Zeit war Vater viel im Bett u. ist gar nicht auf der Höhe. Er ist immer so müde, ist ihm kalt u. hat besonders Unbehagen im Magen u. vielmals keinen Appetit. Zu allem jetzigen kann er sich schlecht reinfinden. So Gott will wird es bald besser, daß unser Wunsch bald mit Dir u.den Lieben in T.R. vereint werden können. Leider haben in den letzten Tagen viel Trauriges vernommen. Am 26. III. ist Tante Elise verstorben. Sie war noch bei lb. Lili gewohnt und hat uns Alfred die traurige Nachricht übermittelt uns selbst l. Recha von Gurs aus u. jetzt bekommen wir von l. Guta die Nachricht daß Sicher am 8. IV. in Pau im Hospital getorben u. am11. IV. beigesetzt wurde. Lb. Recha ... u. Adelheide waren dort hatten durch Rabbiner dort Erlaubnis erhalten. Er hatte vereiterte Rippenfellentzündung u. war schon fast gut, so daß er in ein Sanatorium kommen sollte. Hast Du mit Ernst Joachim noch Briefwechsel? Er schreibt sehr fleißig seiner Mutter u. kann ihr auch etwas behilflich sein. Wenn es Dir möglich ist uns auch etwas behilflich zu sein, wäre es mir sehr recht denn ich muß besonders Vater immer noch etwas kaufen. Habe jetzt in unserer Kantine eine Thermosflasche bestellt. Eine Waschbutte hat mir l. Guta nebst Obst gesandt doch muß ich alles ersetzen, trotzdem freuten uns riesig, da noch von keiner Seite ein Päckchen erhielt und manche Leute so viele. Sie bekommen von Ellen aus USA noch Geld überwiesen. Schreibe Dir mal die Adresse: Frederic Metzger 36 rue Lecuelle Clermont-Ferrand P. D. Dôme. Von den Lieben in T.R. warten schon einige Tage Nachricht, glaubte zu Vaters Geburtstag am 15. /IV solchen zu empfangen. Charlie wird nun in 14 Tagen schon 1 Jahr alt, wir bekamen von ihm ein Bildchen wie ½ Jahr alt war u. scheint ein sehr starker Junge zu sein. Von Max Oppenheimer ist auch eine Tante bei mir Frau Östreicher u. bin mit ihr befreundet, war doch unser Vater mit ihrem Vater in Geschäftsverbindung. Neben Vater liegt ein Herr u. erfuhr er dieser Tage daß er ein Schwager von Onkel Moritz ist. Was macht auch Deine Frau Margot? Hanneliese ist ein besonders schönes ..., ist diese auch über 30? Nun bleibe weiter gesund und sei für heute herzlich gegrüßt u. geküßt von Deiner Mutter. grüße an lb. Trudl.

Lieber Kurt! Ich ersuche Dich ... äußerst inniglich in Zukunft etwas deutlicher zu schreiben. Sei mir aber nicht böse darüber.
                                                                                                                         
Auch Du bist mein l. Kurt!
Es freut mich außerordentlich Dir mein l. Kurt wieder einmal einige Zeilen schreiben zu können u. freute mich außerordentlich günstige Nachricht von Dir, l. Kurt, zu erhalten daß es Dir gesundheitlich wie auch in geschäftlicher Beziehung gut geht u. Du recht zufrieden bist. Es ist mein innigster Wunsch nur der daß wir uns wenn der liebe Gott es will nochmals gesund u. munter treffen u. sprechen können und zwar zusammen bei den Lieben in T.R. u. könnten Alle einmal mit dem Lieben Charlie u. anderen Lieben ohne Unterschied des .... zusammen sein u. ... wäre noch mein innigster Wunsch. Die Neuigkeiten die es hier gibt hat Dir die l. Mutter mitgeteilt und brauche ich Dir nicht nochmal auszuführen und könntest Du uns nur den Wunsch erfüllen uns des öfteren zu schreiben.. Daß Du Glück hattest auf Deine alte Stellung freute mich sehr, dies ein Beweis daß Dein Prinzipal mit Dir und Deinen Leistungen zufrieden war, als Beweis als Nachkommen Deines alten Vaters auf seine Stellungen welche heute noch stolz darauf ist u. die Ehrlichkeit ... gewahrt hat. Nun l. Kurt wirst Du oft über die Verhältnisse Brandner, Appel u. Nachbar gefragt haben u. wie unverschämt sich diese benommen haben fragst. Otto ... mir Ohrfeigen anboten daß ich denselben ... gekündigt habe......Wir wissen jetzt nicht ob wir noch mal nach Leimen fahren (Schwamm drüber) wir hoffen u. wünschen in Zukunft daß Allerbeste und Dir l. Kurt alles Gute was Du Dir selbst in Zukunft wünschst u. tue mir den Gefallen u. schreibe es öfter an uns. Wir l. Kurt erwarten schon längeren Tagen Brief ferner Pakete von den l. Geschwistern u. möglichst auch etwas Geld da unser Bestand zur Neige geht. – Als Neuigk. teile ich Dir mit daß ich einmal an J. Geiser u. Herr Kasse-Schmitt betr. Sendung geschrieben habe aber noch keine Antwort erhielt........ u. geben Dir als dann Bescheid. Für heute grüße mir herzlich Trudl u. alle Verwandte, Dein Chef und Familie ferner Deine liebenswürdigen Logisleute
Daß es mir in letzter Zeit nicht besonders gut geht hat Dir l. Mutter erwähnt und liege bereits seit 6 Tagen wieder im Bett und geht es G.s.D. jetzt besser. Leide an Brustschmerzen. ...für heute sehr herzl. Gegrüßt u.tausendmal geküßt von Eurem Euch liebenden Vater.


Erläuterungen zu diesem Brief aus dem Lager Noé vom 20./21.04.1941:

  • Karolina bedauert, dass sie durch die Verlegung von Gurs nach Noé von "Oma" getrennt wurde. Damit ist Karoline Bierig gemeint, die ja ihre Stiefmutter ist und daher für den angesprochenen Kurt die "Oma" ist.
  • Die Information von Karolina Mayer, dass sie eine Thermosflasche bestellt hat, bestätigt Hinweise in der wissenschaftlichen Literatur, dass die Quäker und das Kinderhilfswerk (OSE) in den Internierungslagern Wärm- und Thermosflaschen verteilten [Anne Gynberg, Das Nimes-Komitee oder die Grenzen der Philanthropie, in: Jacques Grandjonc /Theresia Grundtner (Hg.), Zone der Ungewißheit, Exil und Internierung in Südfrankreich 1933 - 1944, Hamburg Februar 1993, Seite 482].

Brief aus dem Lager Noé vom 19.Oktober 1941

 

Karolina und Hugo Mayer schreiben aus dem Lager Noé am 19.Oktober 1941
an Familie Metzger, die zu diesem Zeitpunkt im von den Nazis unbesetzten Teil Frankreichs lebten:

Meine Lieben!
Am Montag haben Eure lieben Zeilen durch Eure liebe Schwester empfangen, wofür herzlich danke. Wir feuen uns, dass es Euch gesundheitlich gut geht und lieber Fritz und Ludwig mit ihrer Arbeit befriedigt sind. Dass es Euren lieben Kindern in den U.S.A. gesundheitlich und auch sonst gut geht freut uns sehr und ist ja aller Eltern Hauptwunsch. Auch von uns kann wieder ordentlich berichten. Mein Magen war in den letzten Wochen nicht in Ordnung und am letzten Tag Yontif
[jüdischer Feiertag] hatte einen richtigen Klaps, hatte mir abends zuvor durch ein Glässchen Wasser richtig verdorben und Magenkrämpfe und war 2 tage im Bett ziemlich schachmatt, doch heute geht es wieder gut, hoffentlich hält es an, bin nun auch seit 2 Tagen in die Regimküche gekommen wegen meiner grossen Dicke, habe noch glücklich 42 kl. Habe bis auf diese Woche gearbeitet.
Onkel
[gemeint ist Hugo Mayer] geht es ordentlich, doch könnte er mehr Achilas [jiddisches Wort für "Essen"] brauchen. Leider kommt das gesannte von lieben Gustav nicht an, was für uns sehr schmerzlich ist. Auch Ihr müsst diesenhalb etwas Geduld haben. Mit dem übersandten ... freuten uns riesig und konnten es gut gebrauchen schmeckte beides wunderbar wie selbstgemacht. Nachträglich vielen Dank, hätte gleich geschrieben, doch wollte Eure Zeilen erst abwarten. Habe so viel zu beantworten, doch endlich bei Euch angefangen. Liebe Friedl, Gust und Mina schrieben uns auf Yontif grossen Brief, es dauerte diesmal besonders lange, liebe Mina hatte sich durch einen kleinen Unfall die Hand verstaucht und hatte Friedl zu ihrer vielen Arbeit noch mehr, jetzt geht es ihnen wieder allen gut. Der kleine Charlie macht ihnen und allen anderen dort viel Freude er baggelt [= brabbelt] schon alles und ist sehr brav. Friedl legte von ihm wieder Bildchen ein, auf dem einen rollt er ein kleines Fass dahinten ..., am Ende wird er noch Bierbrauer, auf dem anderen seine Gratulation um uns Freude zu machen. Rolf der II arbeitet vorerst als Schreiner und hilft Hans in seiner Freizeit mit bei der Farm. Sie haben schon Monate ein 7 jähriges Mädchen in Pflege, dessen Mutter eingewandert in Arbeit ist. Ausserdem hatten sie über die grossen Ferien immer noch 2 Personen in Pension und noch Wochenendgäste. Liebe Irmgard ... Tochter war auch an dem grossen Nationalfeiertag dort und kann es kaum begreifen, wie sie alles bewältigen. Lieber Gust hat in der ... übers Wochenende nachts in der Bäckerei wieder öfters ausgeholfen und meint an der Arbeit mangelt es nicht und freut sich auf seinen Urlaub. Von lieben Kurt warten täglich auf Nachricht; er will versuchen uns Paketchen zu schicken. Von liebe Hilde hatte an den Feiertagen die erste Nachricht aus Marseille, leider sind sie alle noch dort und die 2 Jungens waren beide recht krank und der eine gerade in Erholung. Ich glaubte sie alle längst in den U.S.A. Aber liebe Hilde hatte schon in Gurs Bedenken wegen dem Fortkommen und meinte sie wären schon so oft nahe am Ziel gewesen. Dass liebe Recha so viele Herzbeschwerden hat bedauern sehr seit langem hatten an den Feiertagen eine Karte von ihnen. Nun denke genug mit Euch geplaudert zu haben, muss jetzt zu liebem Hugo ins Parlawer damit er nicht zu ungeduldig wird. Wenn Ihr für uns in Bälde etwas tun könnt ist uns sehr recht und hoffe es bestimmt bald in Ordnung bringen zu können auch von dem Käse ist uns angenehm, wir bekommen nur noch einmal die Woche und auch keine Milch mehr.
Also seid für heute noch herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer Tante Karolina und Onkel Hugo.
Wie geht es Lili und Siegfried hoffentlich gut? Mit Eurer Tante Rosa unterhalte mich des öfteren und wird sie Euch über das sonstige hier sicher berichten.

Meine Lieben Alle!
Auch ich sende Euch für heute meine herzlichsten Grüße und Küße und erwarte dass Euch allen gut geht und Gesundheit und Zufriedenheit befindet. Herzliche Grüße an die lieben Kinder. Dies von Eurem Onkel Hugo. Grüßet mir auch von mir Eure ...



Erläuterungen zu diesem Brief aus dem Lager Noé vom 19.10.1941:
  • Die am Schluss des Briefes genannte "Tante Rosa" ist Rosa Metzger, geboren am 27.06.1879 in Speyer als Tochter von Ludwig Metzger und Johanna Baum. Am Anfang des Briefes werden die Namen Fritz und Ludwig genannt. Beide waren Brüder. Fritz Metzger heiratete eine Nichte von Hugo Mayer, nämlich Guta Hess, die Tochter von Elise Mayer und Emmanuel Hess. Von daher ist die Familie Metzger mit der Familie Mayer verwandt, so dass Karolina Mayer von der "Tante" Rosa spricht, mit der sie später auch im Lager Vernet war und mit der sie schließlich auch im selben Transport Nr. 75 nach Auschwitz kam. Karolina Mayer trägt auf vorstehender, verlinkter Transportliste die Nummer 601 und Rosa Metzger die Nummer 621.
  • Gegen Ende des Briefes wird "Hilde" angesprochen, die mit ihren zwei Jungen in Marseille auf ihre Ausreise in die USA wartete. Damit ist Hilda Zivi, geborene Mayer gemeint, eine weitere Nichte von Hugo Mayer, nämlich die Tochter seines Brudes Louis Mayer. Hilda konnte zusammen mit ihren kleinen Kindern Louis und Rolf dann doch noch 1942 von Marseille in die USA ausreisen.
  • Mit der danach angesprochenen Recha ist Recha Sicher, geborene Hess gemeint. Sie ist die Schwester von Guta Metzger, geb. Hess und war verheiratet mit Fritz Sicher.
  • Die Frage nach dem Wohlergehen von Lili und Siegfried am Ende des Briefes bezieht sich auf eine weitere Schwester von Guta Metzger, geb. Hess, nämlich Lily Ullmann, geborene Hess, die mit Sigfried Ullmann verheiratet war.
  • Während die zwei Schwestern Guta Metzger, geb. Hess und Lily Ullmann, geb. Hess in Sicherheit waren, waren ihre beiden weiteren Geschwister Recha Sicher, geb. Hess und Adelheid Hess im Lager Gurs und wurden mit dem Transport 17 von Drancy nach Auschwitz gebracht. Ihre Namen finden sich auf der entsprechenden Transportliste: Recha ist darauf mit der Nummer 780 geführt und Adelheid mit der Nummer 485.
  • Der Adressat des Briefes ist nicht eindeutig bestimmbar, aber es kann als sehr wahrscheinlich gelten, dass der Brief an Guta Metzger, die Nichte von Hugo Mayer, und an ihren Mann Fritz Metzger gerichtet ist, denn Karolina und Hugo bezeichnen sich in diesem Brief als Tante und Onkel. Die am Anfang des Briefes genannte Schwester, durch die Karolina und Hugo einige Zeilen von Guta und Fritz Metzger erhalten haben, ist Rosa Metzger, die mit ihnen im Lager Noé und später auch mit Karolina im Lage Vernet war. Denn Rosa Metzger ist die Schwester von Fritz Metzger.
  • Guta und Fritz Metzger hielten sich zusammen mit ihrem Sohn Ludwig Metzger im Jahr 1941 im von den Nazis noch unbesetzten Teil Frankreichs auf.
  • Die Angabe, dass Hugo und Karolina zu den Feiertagen von Recha eine Karte erhalten haben, scheint ein Beleg zu sein, dass es einen postalischen Austausch von Nachrichten zwischen dem Lager Gurs und Noé gegeben hat.
  • Mit den "Kindern in den U.S.A." ist ein weiteres Kind von Guta und Fritz Metzger gemeint, nämlich Ellen Herz, geborene Metzger, die es zusammen mit ihrem Mann geschafft hat, von Italien aus in die USA zu gelangen. In einem Brief aus New York vom 25.11.1941, den Ellen Herz an Friedel Ehrmann schreibt, bestätigt sie, dass ihre Eltern einen Brief von Karolina und Hugo Mayer aus Noé erhalten haben.

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