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Den Opfern jüdischen Glaubens zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung
Mahnmal-Projekt-Leimen
Bericht vom 22.Oktober 2010

70.Jahrestag der Deportation badischer Juden

Am 22.Oktober 1940 wurden nahezu sämtliche Juden Badens, der Pfalz und des Saarlandes aus ihrer Heimat herausgerissen und in das südfranzösische Lager Gurs verschleppt. Aus Anlass des 70.Jahrestages dieser Deportation läuten am 22.Oktober um 11 Uhr die Totenglocken zum Gedenken an die Opfer dieser Gewalttat.

Auch aus Leimen wurden damals vier jüdische Mitbürger deportiert. Am Sonntag, den 17.Oktober 2010 haben die Schülerinnen Katharina Belman, Anastasia Gammermajster und Sabina Kinderknecht von der GSS-St.Ilgen im Rahmen einer Gedenkfeier auf der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern an diese vier jüdischen Mitbürger aus Leimen erinnert, indem sie den von ihnen gestalteten Gedenkstein vorgestellt haben.



Auf der Gedenkfeier sprachen unter anderem auch der Landesrabbiner Benjamin David Soussan und Kurt Maier, ein Überlebender der Deportation vom 22.Oktober 1940, der als zehnjähriger Junge verschleppt worden war. In seiner Ansprache ging Kurt Maier auf die Bedeutung des Ökumenischen Mahnmal-Projektes ein:

„Die jungen Menschen aus Baden haben sich mit ihren Gedenksteinen selber in den Kreis der Erinnerungen eingereiht. Später werden sie ihren Kindern davon erzählen, was sie in ihren Nachforschungen erfahren und erlebt haben. Auf diese Weise entsteht ein Mahnmal, das Zeit und Stein überdauern wird….Erweisen wir unseren Respekt den jungen Menschen, die uns vor Augen führen, dass Erinnern Heilen bedeutet."

Hier können Sie die Ansprache von Dr. Kurt Maier auf der Gedenkfeier in Neckarzimmern vom 17.10.2010 anhören:


Untenstehend können Sie die Worte der drei Schülerinnen zum Gedenken an die verschleppten Juden Leimens nachlesen:

"Mit diesem Stein wollen wir der vier jüdischen Mitbürger gedenken, die am 22.Oktober 1940 aus Leimen verschleppt wurden. Ihre Namen sind: Herr Hugo Mayer und seine Frau Karolina Mayer, geborene Bierig. Frau Karoline Bierig und ihre Tochter Selma Bierig. Alle vier wohnten damals im Haus von Hugo Mayer in der Rohrbacherstr. 2 in Leimen.

Wir haben den Gedenkstein in Form einer Kerze gestaltet. Die Kerze und ihre Flamme stehen für die Hoffnung. In den Briefen von Hugo und Karolina Mayer aus den Lagern Gurs und Noe kommt nämlich neben ihrer Not immer auch eine hoffnungsvolle Grundstimmung zum Ausdruck.

Die letzten Zeilen, die uns von Hugo Mayer in einem Brief vom 30.März 1941 erhalten sind, lauten: „Meine große Freude ist es nur, von euch zu erfahren, dass es Euch allen gut geht, gesund und munter seid, gut zusammen auskommt und mein einziger Wunsch ist nur, Euch allen liebe Kinder gesund zu treffen, zu sehen, zu sprechen … wenn es Gott will, so wird es noch in Erfüllung kommen.“ Hugo Mayer starb zu Beginn des Jahres 1942, er wurde 78 Jahre alt.

Die letzten Zeilen, die uns von Karolina Mayer in einem Brief vom 9.September 1942 erhalten sind, lauten: „Hoffe doch, dass es Euch gut geht und Ihr glücklich und zufrieden miteinander seid. Mir selbst geht es gesundheitlich gut. Glaube nun ziemlich sicher, dass ich nun vorerst hier bleiben kann. … So Gott will wird das neue Jahr zum Frieden führen und seid für heute noch herzlich gegrüßt und geküsst von Eurer Mutter.“ Karolina Mayer wurde bald darauf von Noe nach Auschwitz verschleppt und wurde dort ermordet. Sie wurde 63 Jahre alt.

Über das Schicksal von Karoline und Selma Bierig konnten wir nichts herausfinden. Beide gelten nach der Deportation als verschollen. Die vier Wachstropfen des Gedenksteines stehen für die vier Verschleppten und dafür, dass ihre Hoffnung leider zerronnen ist.

Auf der Rückseite des Steines haben wir das Bild einer Weinrebe in den Stein eingraviert. Die Weinrebe ist einerseits ein Symbol für die Weinstadt Leimen, andererseits ist der gebrochene Zweig der Weinrebe ein Symbol für die damalige Ausgrenzung der Juden in Leimen. Denn in einem Brief aus Leimen vom 2.Januar 1939 schreibt der Sohn von Hugo Mayer: „Heute war ich mit Vater im Garten, um unsere Rebstöcke abzuschneiden, die jetzt nicht mehr angebaut werden dürfen.“

Im Alten Testament wird im Psalm 80 das Volk Israel als der Weinstock Gottes verstanden, dessen Reben abgeschnitten und zerstört worden sind. Insofern kann das Bild der gebrochenen Weinrebe auch als ein symbolischer Ausdruck für den Holocaust verstanden werden. Im Zentrum unserer Gestaltung des Steines stehen aber die Kerze und das Licht. Möge dieser Gedenkstein ein Zeichen der Hoffnung sein, dass Juden und Christen zu einem neuen geschwisterlichen Miteinander finden."

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